Beschreibung
Liu Bao Dunkler Tee – Guangxi Hei Cha
Liu Bao Cha ist ein dunkler Tee aus der sรผdchinesischen Provinz Guangxi. Das heiรt, er ist ein nachfermentierender, nach der รผber tausendjรคhrigen Methode der Verarbeitung von dunklem Tee hergestellter โHei Chaโ. Wie alle dunklen Teesorten basiert er auf den Blรคttern vor Ort heimischer groรblรคttriger Teebaum-Varietรคten. Sein Name, „Liu Bao“ bedeutet รผbersetzt so viel wie „6 Festungen“. Dabei ist die Geschichte der namensgebenden Befestigungsanlagen so alt, dass sie heute niemand mehr erzรคhlen kann. So wird der Liu Bao Cha auch zum letzten verbliebenen Zeugen der lรคngst vergangenen Zeit seiner Entstehung.
Typisch fรผr Liu Bao Tee ist die Einlagerung der fertig verarbeiteten Teeblรคtter in geflochtene, mit einem Deckel versehene Bambuskรถrbe. Es findet dabei kein Pressen im engeren Sinne statt. Dennoch fรผhren die nun einsetzenden Nachfermentierungsprozesse (Reifung) รผber die Jahre auch zu einer gewissen Haftung unter den so verbrachten Teeblรคttern. รffnet man also nach einigen Jahren den Korb, findet man eher einen zusammenhรคngenden Ballen darin als lose Teeblรคtter. Allerdings ist die Konsistenz eine recht lockere, so dass insbesondere die รคuรereren Schichten fast von allein vom Ballen fallen. Aber auch die weiter innen gelegenen Teeblรคtter lassen sich leicht von Hand ablรถsen.
Das trockene Blattmaterial verstrรถmt eine angenehme, an altes, gut abgelagertes Mahagoni erinnernde Fragranz. Diese findet sich im harmonischen Verbund mit den Kaffee- und Kakaonoten, von denen der Tee seinen Rufnamen „Dark Chocolate“ hat,ย auch im Geschmack des vollmundigen, von weicher, seidig-sรคmiger Konsistenz geprรคgten Aufgusses wieder.
Was ist Dunkler Tee (Hei Cha)?
Dunkler Tee oder โHei Chaโ ist eine der elementaren 6 Verarbeitungskategorien von Tee. Was sie ausmacht, ist das sog. โwet-pilingโ (= feuchtes Aufschichten) der Teeblรคtter als Teil der Verarbeitung. Die besondere Form der Fermentierung beruht dabei auf durch Mikroorganismen induzierte Verรคnderungen der biochemischen Zusammensetzung im Teeblatt. In China bezeichnet man diesen Teil der Verarbeitung von dunklem Tee auch als โwo-duiโ. Dunkler Tee ist ausdrรผcklich nicht zu verwechseln mit dem, was wir im Westen als schwarzen Tee bezeichnen. Dieser nรคmlich heiรt in China โroter Teeโ (= โHong Chaโ). Dabei sorgt die chinesische Namensgebung aufgrund der Tassenfarbe anstatt der Farbe der verarbeiteten Blรคtter unter westlichen Teefreunden immer wieder fรผr Verwirrung.
Interessant zu wissen ist in diesem Zusammenhang auch, dass auch die Herstellung von gelbem Tee durch einen โwo-duiโ-Prozess gekennzeichnet ist.
Arten von dunklem Tee
Eine Voraussetzung fรผr die Herstellung von dunklem Tee ist das Vorhandensein groรblรคttriger Teebaum-Varietรคten vor Ort. Dunkle Teesorten gibt es deshalb nur in 5 Provinzen Chinas, namentlich Guanxi, Sichuan, Hunan, Hubei und Yunnan. Dabei hat jede Region ihre ganz eigene Hei-Cha-Tradition. Diese wiederum unterscheiden sich durch individuelle Merkmale der Verarbeitung, Pressung und Verpackung fรผr den Transport.
Die auรerhalb Chinas wohl bekannteste Form von dunklem Tee ist der gereifte (โshouโ) Pu Erh Tee. Dabei wird hรคufig behauptet, die โwo-duiโ-Reifung fรผr diesen Tee sei erst in den 1970er Jahren โerfundenโ worden. Dies ist so allerdings nicht ganz richtig. Denn dunklen Tee โ und damit die Methode des Schichtens der (noch feuchten) Teeblรคtter – gibt es bereits seit der Zeit der Song-Dynastie und somit bereits seit etwa 1000 Jahren. Fรผr die Reifung von โshouโ Pu Erh erfuhr die uralte Methode jedoch zwei gravierende Modifikationen. Die eine von diesen war die Verlรคngerung des Prozessesย auf bis zu 2 Monaten. Und die andere war die Zugabe von Wasser zu Beginn des Prozesses. Trotz grundsรคtzlicher Verwandtschaft schmecken gereifte Pu Erh Tees deshalb signifikant anders als dunkle Tees anderen Ursprungs.
Geschichte des dunklen Tees
Zu Zeiten der Alten Tee-Pferde-Straรe war Hunan eine der Provinzen, aus denen man Tee auf ebendiesem Handelsweg in Richtung Norden befรถrderte. Nun dauerte die weite Reise zu Fuร und mit Maultieren als Transportmittel des Tees seinerzeit sehr lang. Der Tee wurde deshalb unterwegs immer wieder feucht, konnte aufgrund der beengten Transportbedingungen aber nicht gut wieder trocknen. Deshalb erreichte der Tee seine Endkunden โ in der Hauptsache Mongolen, Tibeter und Uiguren โ letztlich in einem verรคnderten Zustand. Wรคhrend die Erzeuger und Hรคndler dies wohl ursprรผnglich eher als nicht wรผnschenswert erachteten, zeigte sich bald, dass die Endkunden gerade diesen verรคnderten Zustand sehr schรคtzten. Um dem nun Rechnung zu tragen, fand man alsbald Wege, den Tee bereits bei der Verarbeitung in den gewรผnschten Zustand zu versetzen. Und auch dass der Tee auf seiner langen Reise weiter reifte, war nun nicht lรคnger ein Problemโฆ
Liu Bao Cha – Pflรผckung und Verarbeitung
Die beste Pflรผckzeit fรผr Liu Bao Dunkler Tee ist der April. Pflรผckstandard ist dabei die junge Frรผhlingsknospe zusammen mit den an sie anliegenden jรผngsten 2-3 Blรคttern.
Die Verarbeitung von Liu Bao Cha lรคsst sich grob in 6 Schritte untergliedern:
- Welken der frisch gepflรผckten Teeblรคtter
- Oxidationsstopp durch starkes Erhitzen
- Rollen der Teeblรคtter
- Fixieren der Form durch Trocknen unter Wรคrmezufuhr (unser Liu Bao durchlรคuft eine besonders krรคftige Holzkohle-Rรถstung)
- Feuchtes Schichten („Wet-Piling“ oder „wo-dui“)
- Einlagerung in geflochtenen Bambuskรถrben
Natรผrlich kรถnnen Einzelheiten der Verarbeitung von dunklem Tee auch in Guangxi je nach Farmer und regionaler Tradition verschieden sein. So kann beispielsweise das „wet-piling“ von Liu Bao Tee von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen dauern. Auch findet man Liu Bao Tee vereinzelt auch in Ziegel- oder Fladenform gepresst. Allerdings gilt die vergleichsweise lockere Lagerung im Bambuskorb als รผberlegen, da sie Nachfermentierungsprozese begรผnstigt.
Nach langjรคhriger Reifung kรถnnen sich – vergleichbar Fu Zhuan Cha aus Hunan – Spuren sog. „goldener Blume“ bilden. Dabei handelt es sich um Sporen eines Pilzes namens „Eurotium Cristatum“. Seine Bildung ist nicht etwa ein Grund zur Sorge, sondern vielmehr ein Zeichen bester Qualitรคt und optimaler Fermentierung.
Zubereitung
Je nach Dosierung, Art und Anzahl der Aufgรผsse unterscheiden wir 3 Grundtypen der Zubereitung von dunklem Tee:
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Die โGong Fu Chaโ besteht in der Zubereitung eines Tees mit relativ hoher Dosierung รผber eine lange Reihe von Aufgรผssen jeweils kurzer Ziehdauer. Das heiรt, man arbeitet mit Dosierungen ab 6g Teeblรคtter / 100ml Wasser und Ziehzeiten kleiner als 1 Minute pro Aufguss. Dabei betrรคgt die Aufgusstemperatur immer 90ยฐ-100ยฐC, was sprudelnd kochend heiร entspricht. Wie bei allen gereiften Teesorten empfiehlt sich vorab ein „Waschaufguss“ von 5-10 Sekunden mit kochend heiรem Wasser.
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Die โwestliche Zubereitungโ eines dunklen Tees gleicht der eines โschwarzenโ (in China: roten) Tees. Auch hier gieรt man sprudelnd kochend heiร auf. Allerdings wird man bei diesem Ansatz eine bescheidenere Dosierung (3-5g/ 100ml) sowie lรคngere Ziehperioden (2-5 Minuten) wรคhlen. Hรคufig strebt man auch hier die Zubereitung mehrerer Aufgรผsse (2-3) an. Allerdings ist deren Anzahl bei diesem Typ der Zubereitung im Vergleich zur Gong Fu Cha auf wenige Aufgรผsse begrenzt. Auch hier empfiehlt sich vorab ein kurzer „Waschaufguss“.
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Ebenfalls aus China kommt die Praxis des bis zu 10-minรผtigen Auskochens der Teeblรคtter. Hierbei reichen 4-5g Teeblรคtter per 1 Liter Wasser aus, um dem einzigen resultierenden Aufguss zu vollem Geschmack zu verhelfen.





















Michael M. (Verifizierter Kรคufer) –
Liu Bao Cha dunkler Tee โHei Chaโ – erdiger Geruch der dunklen Knospen und Blรคtter. Waschgang bei 100 Grad, dann 5 Gramm Tee fรผr 200 ml mit 95 Grad gebrรผht, Ziehzeit 3 min ergibt eine tief dunkelbraune, klare Tassenfarbe. Der Geruch auch jetzt noch erdig. Der Geschmack ist sรผรlich, erdig mit nussigen und malzigen Noten, schwer in Worte zu fassen, aber der Liu Bao Cha gefรคllt.
Bernd W. Rรถmhild (Verifizierter Kรคufer) –
3x auf unterschiedliche Weise getestet.
Ja, diese Hei Cha hat viele Gesichter.
Gong Fu Cha:
1.) 2g/100ml, ~100ยฐC, 1 Min aufwรคrts mit den Aufgรผssen.
Der Tee lehnt sich an einen Oolong an. Sรผร, citrus fruchtig, der Shou Charakter mit getrockneten Frรผchten und eine leichte Herbe halten sich im Hintergrund.
2.) 3g/100ml, ~100ยฐC, 30sec. aufwรคrts mit den Aufgรผssen.
Ein krรคftiger Assam neben gleichwertig dunklem Shou Geschmack. – Heftig!
3.) 6g/100ml ~100ยฐC, 30sec. aufwรคrts mit den Aufgรผssen.
Jetzt irgendwie zwischen Sheng und Shou. Sรผร, citrus fruchtig frisch, Trockenobst dicht dahinter geklemmt.
Wunderschรถne Textur.
Wer weiร schon, was man noch so aus diesem Tee herausholen kann.
ECL (Verifizierter Kรคufer) –
Bei diesem Tee handelt es sich um einen sogenannten „dunklen Tee“/Heicha, welcher aus der chinesischen Provinz Guangxi kommt. Wie bei allen anderen Heichas auch bilden groรblรคttrige Assamica Varietรคten die Grundlage fรผr diesen Tee. Nach einem kurzen Wodui-Verfahren des Maochas wird dieser Tee in mit Deckel verschlossenen, geflochtenen Bambuskรถrben zur Reifung fรผr einige Jahre eingelagert. Dies fรผhrt hier leider wohl auch obligatiorisch zu einer eher krรผmeligen Konsistenz, was nicht stรถren muss, mir aber bei der Zubereitung nicht sonderlich gefรคllt.
Geschmacklich entschรคdigt der Tee das durchaus und die hรคufig gebrauchte Beschreibung als „dark chocolate“ ist hier Programm. Der Geschmack des Tees erinnert im wahrsten Sinne des Wortes an Zartbitterschokolade. Dabei kommen auch Nuacen von Edelholz/Mahagoni zum Vorschein. Der Tee ist samtig weich und erinnert zunรคchst an Shou Pu Erh. Muffige, gammlige oder gar schimmlige sowie fischige Noten sucht man vergeblich. Der Tee ist absolut hochwertig und sehr gut trinkbar, wie gesagt, wenn man sich mit der Krรผmelei arrangieren kann, definitiv eine Empfehlung.
Jรผrgen (Verifizierter Kรคufer) –
Die erste รberraschung offenbart sich bereits beim รถffnen Tรผte. Dieser Tee kommt lose zum Kunden und nimmt damit schon im Voraus eine Hรผrde, an die manche Heicha Neulinge sich vielleicht nicht wagen wรผrden, weil ihnen der gepresste Cake suspekt erscheint. Das wรคre allerdings schade, denn der Liu Bao hat einiges zu bieten.
Erdig- mineralisch, keinesfalls muffig oder schimmelig duftet das sehr kleinbrรถselige Blattgut nach dem obligatorischen Waschgang.in der Shibo. Geschmacklich punktet der Tee vor allem mit fein nuancierten Edelholznoten, einem perfekt dazu harmonierenden Aroma das unmissverstรคndlich an dunkle Schokolade erinnert und nicht zuletzt einem erdig- mineralischen Abgang.
รber die gesamten Aufgรผsse bleibt der Tee stets weich und harmonisch. Es gibt weder Ecken noch Kanten, Bitterkeit und Adstringenz.
Um das volle Potential des Liu Bao auszuschรถpfen, sind nach meinem Geschmack Aufgรผsse mit kochendem Wasser obligatorisch. So zubereitet, erfreut einen der Tee mit dem vollen Spektrum seiner Aromen, und lรคsst mich รผber die wenigen Krรผmel, die es ab und an durch das tรถnerne Sieb der Shibo schaffen, gnรคdig hinwegsehen.
MR –
Sehr interessant wรผrzig, malzig und sehr dunkel, absolut keine Bitterkeit. Ich persรถnlich kann mit der Dark Chocolate Bezeichnung jedoch nicht sehr viel anfangen, fรผr mich ist der Tee aber dennoch ein Muss zum Probieren.
luigi.raffele –
Viel nasse Erde und antikes Holz. Genau, wonach ich suche, wenn ich einen Hei Cha oder Shu Pu Erh trinke. (Fast wie ein Hong Kong Storage Pu Erh)
Der Tee kรถnnte einen Hauch vollmundiger sein, wobei ich auch eigentlich ein wenig hรถher dosieren wรผrde. Von der Probe standen mir 5g zur Verfรผgung auf die etwa 130ml hรคtte ich jedoch 6-7g genommen.
Ist auf jeden Fall bei der nรคchsten Bestellung dabei:)
Olaf Schrage –
Vorweg gesagt: Der Tee ist von sehr hoher Qualitรคt. Meine Wertung stellt lediglich mein persรถnliche Geschmackswahrnehmung da.
Von der Konsistenz leicht brรถselig, sehr dunkles trockenes Blatt. Der Geruch unbestimmt, irgendwo zwischen Erde, Laub und Baumrinde. Den Aufguss vollziehe ich mit 5 Gramm (hatte den Tee als Probe erhalten) auf 130 ml Wasser und etwa 100 Grad Celsius, Ziehzeit 45 Sekunden. Der erste Aufguss duftet nach etwas, das ich nicht beschreiben kann, vielleicht Waldboden? Die Farbe ein dunkles Rotbraun – dies รคndert sich in den Folgeaufgรผssen: Der Tee ist dann sehr dunkelbraun. Der Geschmack hat etwas Weiches, dem sich eine – nur leicht – stechende Note beimischt. Schokoladennoten, wie in manchen der anderen Bewertungen zu lesen ist, kann ich so deutlich nicht schmecken. Insgesamt ein sehr hochwertiger und ausgewogener Tee; fรผr mich als ungeรผbtem Shou-Pu-Ehr-Trinker jedoch nicht in einem Lieblingsgeschmack-Bereich. Shou ist wohl ein Universum, das sich mir nicht erschlieรt – noch nicht.