Beschreibung
Liquid Jade No. 1 – Sencha Mandokoro
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Liquid Jade No. 1 – Sencha Mandokoro
Sencha Mandokoro ist Teil der „Liquid-Jade-Serie“ von Tea Crane, einem auf naturnah kultivierte Tees von Kleinerzeugern spezialisierten Hรคndler in Japan. Der Betreiber, Tyas Sรถsen, ist ein gebรผrtiger Belgier, der seit jungen Jahren in Japan lebt. Dort hat er als jรผngster offiziell zertifizierter Teemeister auslรคndischer Herkunft das Teehandwerk von der Pike auf erlernt. Seine Liebe zu den traditionellen japanischen Sencha-Tees regionaler Prรคgung kulminierte schlieรlich in der Grรผndung von The Tea Crane. Die zugrundeliegende Philosophie ist dabei eine Rรผckkehr zum ursprรผnglichen japanischen Sencha. Das heiรt, die Kultivierung erfolgt einerseits ohne die Verwendung jeglicher Pestizide sowie kรผnstlicher und/oder tierbasierter Dรผngemittel. Andererseits bedeutet es eine Verarbeitung, die frei ist von den fรผr die Teeherstellung in Japan heute vielfach charakteristischen industriellen Massenprozessen. Das macht auch diesen Tee zu einem naturnah kultivierten japanischen Sencha traditioneller Prรคgung.
Sencha Mandokoro kommt aus dem gleichnamigen Dorf nahe der Stadt Higashiomi, Prรคfektur Shiga, Japan. In der rund 60 Kilometer nordรถstlich von Kyoto gelegenen Bergregion hat der Teeanbau nachweislich eine bis ins 14. Jahrhundert zurรผckreichende Tradition. Das wirklich Besondere an Mandokoro ist allerdings der beispiellose Grad an Konservierung alter japanischer Teekultur vor Ort. So sind beispielsweise alle Teebรผsche der alteingesessenen „Chaen Musubi Tea Farm“ vom Samen gewachsene Vertreter einer lokal nativen Teebaum-Varietรคt. Weiter sticht der Herkunftsort neben den bereits erwรคhnten Grundsรคtzen natรผrlicher Kultiverung dadurch hervor, dass der Tee hier auch heute noch ausschlieรlich von Hand gepflรผckt wird. Gerade letzteres macht Sencha Mandokoro zu einem ebenso kostbaren wie seltenen Juwel unter Japans grรผnen Teesorten.
Geschmack und Erscheinungsbild
Dass Sencha Mandokoro kein Sencha ist wie jeder andere, erschlieรt sich dem Genieรer bereits beim Anblick des trockenen Blattguts. Denn dieses ist weit entfernt von dem fรผr japanische Sencha-Tees typischen eingรคngigen Erscheinungsbild. Vielmehr vermitteln die ungewรถhnlich langen, teils bizarre Formen annehmenden tannengrรผnen Nadeln dem Betrachter den Eindruck schroffer Klippen einer wild belassenen Steilkรผste. Nicht weniger ungewohnt stellt sich der Anblick der nassen Teeblรคtter nach dem Aufguss dar. Denn dieser offenbart in รคsthetisch ansprechendster Weise, wie in Mandokoro das Blatt noch Blatt sein – und bleiben – darf!
Geschmacklich profitiert der resultierende Sencha-Tee zum einen vom Reichtum des unkompromitttierten Inputs eines natรผrlichen, biodiversen Umfelds. Zum anderen bringen nur die metertief in die Erde hineinreichenden Wurzeln der zwischen 60 und 300 Jahren alten Teebรผsche die aus solchem Reichtum resultierende Vielschichtigkeit auch vollumfรคnglich zum Tragen. Und zu guter Letzt sind es die kรผhlen Nรคchte und der die Teebรผsche allwinterlich bedeckende Schnee in Mandokoro, die diesem Tee eine Sรผรe verleihen, wie wir sie so heute wohl in kaum einem anderen Sencha mehr erleben dรผrfen.
Mandokoro – seltene Oase alter japanischer Teetradition
Mandokoro ist ein kleines, an der Westflanke der Suzuka-Bergkette nahe der Stadt Higashiลmi in der Prรคfektur Shiga gelegenes Dorf. Am Fuรe der Berge liegt der zen-buddhistische Eigenji-Tempel, auf welchen die 300-400m รผber dem Meeresspiegel gelegenen Teegรคrten herabsehen. Die Bรผsche sind auf das Wasser des Echi-Flusses angewiesen, welcher zumรคchst en Eigenji-Damm speist, bevor der in Osaka in den Yodo-Fluss mรผndet.
Im spรคten 14. Jahrhundert entdeckte der Zen-Mรถnch Ekkei Shลซkaku [่ถๆธ็งๆ ผ], seinerzeit Abt des Eigenji-Tempels [ๆฐธๆบๅฏบ], dass das Wasser und der Boden in den das Kloster umgebenden Bergen sich hervorragend zur Herstellung von Tee eignete. Infolgedessen beauftragte er die Bewohner zweier dort gelegener Dรถrfer, sich dem Anbau und der Produktion von Tee zu widmen. Eines dieser Dรถrfer war Mandokoro, und schon bald avancierte Tee von hier zu einer der beliebtesten Marken Japans. Aus ebenjener Zeit stammt auch ein japanisches Volkslied, welches japanische Teepflรผcker seitdem landesweit Pflรผckung singen. 2 Zeilen des Liedes, โUji is Japanโs tea-manufacturing district, Tea comes from Mandokoro“, belegen die herausragende Rolle Mandokoros in der Geschichte des japanischen Teeanbaus.
Als der Teeanbau in Japan in den 1970er Jahren Gegenstand allgemeiner Industrialisierung wurde, blieb in Mandokoro die Zeit stehen… Denn hier versagten die Dorfbewohner sich von Beginn an dem modernen Trend und bewirtschafteten ihre Strรคucher weiterhin auf natรผrliche Weise. Bis heute kommen in keiner einzigen Farm in diesem Bergdorf Pestizide, kรผnstliche oder tierbasierte Dรผngemittel zum Einsatz. Entsprechend fรผgt man dem Boden nur Pampasgras sowie gelegentlich den bei der Rapsรถlgewinnung anfallenden Bodensatz hinzu.
Der Teegarten / Der Erzeuger – Chaen Musubi Tea Farm“
Die Krรถnung von Mandokoros alter Teetradition ist die alljรคhrliche Versammlung der Gemeindemitglieder zur Frรผhlingspflรผckung. Dann hilft man sich gegenseitig bei der bis zum heutigen Tag ausschlieรlich von Hand erfolgenden Pflรผckung der Teeblรคtter. Aufgrund des Desinteresses der jรผngeren Generation an der Forsetzung der lokalen Tradition naturnaher Teekultivierung und der damit verbundenen Abwanderung junger Menschen liegt das Durchschnittsalter der Dorfbewohner in Mandokoro bei weit รผber 50 Jahren.ย Dies macht Ren Yamagata, Leiterin der Chaen Musubi Tea Farm, mit Mitte Dreiรig zur jรผngsten Dorfbewohnerin im arbeitsfรคhigen Alter. Um die jahrhundertealte Tradition des naturnahen Teeanbaus in Mandokoro zu bewahren, hat Ren beschlossen, den Erhalt dieser Kultur in ihre eigenen Hรคnde zu nehmen.
Der รคlteste Teebusch in Mandokoro ist รผber 300 Jahre alt. Allerdings gibt es in Mandokoro auch keine wirklich „jungen“ Teebรผsche. Dies wiederum liegt an der lokalen Tradition der „Fortpflanzung“ von Teebรผschen vor Ort. Dabei hat die moderne Methode der Reproduktion von Teebรผschen รผber Ableger, sog. „Klone“, hier gar nicht erst Einzug gehalten. Vielmehr schneidet man den Busch hier, wenn er keine oder nur noch wenig verwertbare Teeblรคtter produziert, kurz รผber dem Boden ab. Auf diese Weise bleibt die ursprรผngliche, tief in den Boden reichende Wurzel erhalten und kann neue, blรคtterreiche Triebe produzieren.
Handpflรผckung @ Mandokoro
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Handpflรผckung @ Mandokoro
In jener alten Zeit, als die Teebรผsche in Mandokoro gesรคt wurden, gab es die Methode der Vermehrung von Teebรผschen รผber Ableger noch gar nicht. Auch gab es damals noch keine Pflรผckmaschinen, wie sie heute in Japan der Standard sind. Entsprechend bilden die Teebรผsche hier keine gleichmรครigen Reihen, wie es Voraussetzung fรผr eine Maschinenpflรผckung wรคre. Stattdessen erscheinen sie aus der Vogelperspektive wie unregelmรครig รผber das Gelรคnde verteilte Punkte. Dazu kommt, dass die Teebรผsche in Mandokoro Hanglagen besetzen, die fรผr moderne Pflรผckmaschinen generell schwer zugรคnglich sind. Und nicht zuletzt ist es die native Mandokoro-Teepflanze selbst, deren besonderer Wuchs eine moderne Maschinenpflรผckung gรคnzlich unmรถglich macht.
Nun mag die Handpflรผckung in kommerzieller Hinsicht der Maschinenpflรผckung unterlegen sein, in qualitativer Hinsicht ist sie es nicht. Hierfรผr spricht, dass selbst konventionelle Teeerzeuger kleine, an Wettbewerben teilnehmende Batches in aller Regel von Hand pflรผcken werden. Dass das menschliche Auge in Verbindung mit menschlichem Ermessensvermรถgen bei der Auswahl zu pflรผckender Teeblรคtter รผberlegen ist, liegt aber generell auf der Hand. So pflรผckt der Mensch beispielsweise ganze Blรคtter, wรคhrend wir aus Maschinenpflรผckung viel Bruch sehen. Dabei ist der Unterschied keineswegs nur optischer Natur. Denn an Bruchstellen setzen unmittelbar Oxidationsprozesse mit der Umgebungsluft ein. Diese sind bei der Erzeugung grรผner Teesorten nicht wรผnschenswert, da sie den Geschmack des Tee in unvorteilhafter Weise beeinflussen.
Native Mandokoro Teepflanzen-Varietรคt
Der „Kultivar“ – native Mandokoro-Varietรคten
Um zu verstehen, was ein „nativer Kultivar“ ist, muss man das oben รผber die Vermehrung von Teepflanzen gesagte verinnerlichen. Ein „Klon“ ist immer eine exakte genetische Kopie der Mutterpflanze. Auf diese Weise erreicht man auch gleichbleibende geschmackliche Eigenschaften solcher, am gleichen Ort wie die Mutterpflanze kultivierter Ableger. Nimmt man jedoch Samen der gleichen Teepflanze und pflanzt sie nebeneinander ein, ist es รคhnlich wie bei der menschlichen Fortpflanzung : wir teilen zwar viele Eigenschaften mit unseren Eltern, gleichen diesen aber vollkommen. Fรผr Teepflanzen heiรt das, das jeder vom Samen gezogene Abkรถmmling Eigenschaften der Mutterpflanze รผbernehmen wird, aber auch individuelle Eigenschaften entwickeln kann.
In Mandokoro gedeihen vonย jeher nur native Varietรคten. Dafรผr gibt es mehrere Grรผnde, aber die naheliegendste Erklรคrung ist, dass andere Arten die kalten Winter dieser Region nicht รผberleben wรผrden. Die einheimischen Strรคucher von Mandokoro wachsen niedrig รผber dem Boden und haben extrem biegsame Zweige. Wenn sich Schnee auf ihnen hรคuft, ermรถglicht ihre Flexibilitรคt ihnen. dem Gewicht nachzugeben, ohne unter diesem Druck zu zerbrechen. Wird das Gewicht noch grรถรer, drรผckt es die niedrig gewachsenen รste zu Boden, was wiederum deren Brechen verhindert.
300+ Jahre alter Mandokoro-Teebusch
Die Verarbeitung
Die Verarbeitung von Liquid Jade No. 1 – Sencha Mandokoro – folgt grundsรคtzlich dem traditionellen Standard der Verarbeitung von grรผnem Tee in Japan. Das heiรt, unmittelbar nach der Pflรผckung erhitzt man die Teeblรคtter zunรคchst mithilfe vom heiรem Wasserdampf. Dies dient dem Stoppen der enzymatischen Oxidationsprozesse im Teeblatt. Danach bringt man die Teeblรคtter in 2 aufeinanderfolgenden Vearbeitungsschritten (Kneten und Rollen) in die charakteristische Nadelform. Dies erfolgt mittels entsprechender mechanischer Vorrichtungen und dient der Fixierung des durch den Oxidationsstopp erreichten Ist-Zustands. Hierauf folgt als letzter Verarbeitungsschritt dann die Endtrocknung, welche die Restfeuchte im Teeblatt auf ca. 5% reduziert.
Die Zubereitung
Anders als der typische moderne Sencha entfaltet Sencha Mandokoro sein individuelles Geschmacksprofil am besten bei einer Aufgusstemperatur von 90ยฐC. Als Dosierung empfiehlt sich dabei die Verwendung von ca. 2-3g Teeblรคtter per 100ml mรถglichst weichen Wassers. Von bis zu 3 wohlschmeckenden Aufgรผssen sollte der erste nur wenig lรคnger als 1 Minute ziehen. Fรผr einen zweiten Auguss empfiehlt es sich anschlieรend, die Ziehdauer auf ca. 1/2 Minute zu verkรผrzen. Ein dritter Aufguss darf dann wieder gut 2 Minuten ziehen. Und wer mag, dem wird auch ein vierter, bis zu 5 Minuten gezogener Aufguss es durchaus noch wert sein.
Fรผr Interessierte liefert der folgende Blog-Artikel eine รbersicht รผber die Geschichte und Grundtypen von grรผnem Tee in Japan:
Mรคrz 2015: Grรผner Tee in Japan – Geschichte und moderne Ausprรคgung
Weitere (unbeschattete) Sencha-Tees im Siam Tee Shop gibt es unter dem folgenden Link:
https://siam-tee.de/produkt-kategorie/tee-aus-japan/sencha-tee/























Stephan Schmidt (Verifizierter Kรคufer) –
Dieser Tee ist tatsรคchlich Flรผssige Jade … und unter allen The Tea Crane Tees trรคgt er nicht umsonst die Nr. 1!!!
Freunde japanischen Tees sollten diese Raritรคt nicht versรคumen!
ECL –
Bei diesem Tee handelt es sich um einen auรergewรถhnlichen Sencha aus naturnahem Anbau. Der nicht beschattete Sencha wurde aus den Blรคttern รคlterer Teebรผsche einer nativen Varietรคt. So sei vorweg gesagt ist dieser Tee nichts fรผr Freunde eines ausgeprรคgten Umamis. Das ist fรผr mich aber sehr gut verschmerzbar, dass dies auch dazu fรผhrt das die komplexen Noten des Tees nicht durch dumpfes Umami Tuning รผberlagert werden. Der Tee ist mannigfaltig frisch grasig und leicht floral. Er bringt eine gewisse Sรผรe mit und schmeckt absolut frisch. Die Grasigkeit hinterlรคsst einen anhaltenden Nachgeschmack. Trotz einer Aufgusstemperatur von 90ยฐC zeigt sich keinerlei Herbe und Bitterkeit. Im Gegenteil, er hat ein nahezu samtiges Mundgefรผhl. Angenehm unkompliziert zaubert er bei mir 5 Aufgรผsse (Ziehzeiten 40s, 10s, 10s, 30s, 90s). Dieser Tee ist eine sehr gelungene Abwechslung zu sonst รผblichen Japantees.
Jรผrgen (Verifizierter Kรคufer) –
Liquid Jade Sencha No. 1 Sencha Mandokoro
Der Duft aus der Teeschale ist โgrรผnโ mit mineralischen Anklรคngen. Meine Gedanken schweifen hin zu Kieselsรคure und Diamanten. Warum nur? Obwohl der Aufguss natรผrlich flรผssig ist, habe ich das Mundgefรผhl einer festen Struktur, die sich in der jadegrรผnen Infusion versteckt.
Der Geschmack changiert entsprechend zwischen vegetalen, mineralisch-spritzigen Noten, einer delikaten Adstringenz, die das Mundinnere mit Samt auszukleiden scheint, und einer floralen Sรผรe, die der dominant breiten Struktur des Tees eine duftige Leichtigkeit beschert.
So richtig weiร ich nicht, was ich von diesem Sencha halten soll. Er versetzt mich in Erstaunen, stรถรt mich ab, fasziniert mich gleichzeitigโฆ
Zubereitung in der Kyusu: 4g/120ml 60-90 Grad heiรes Wasser
Ziehzeiten: 30, 20, 25, 30, 45, 60, 90s
Wolfgang –
Die Nadeln sind wirklich groร und entfalten sich sehr schรถn. Mit die grรถรten Sencha Blรคtter, die ich bisher kenne.
Im Geruch kommen Assoziationen zu Spinat mit Sesam, Mangold und Nรผsse gepaart mit einer Frische und „grรผnen“ Aromen. Irgendwie anders.
Der Tee ist sehr weich und samtig.
Insgesamt mur persรถnlich etwas zu weich – ich mag es, wenn der Tee ein bisschen krรคftiger daher kommt.
Bitternoten merke ich nicht und auch bei lรคngeren Ziehzeiten versaut man den Tee nicht. Fรผr mich spricht dies fรผr die gute Qualitรคt und Verarbeitung.
MR (Verifizierter Kรคufer) –
Einfach faszinierend. Sehr blumig, weit weg von einem normal guten Sencha und sehr komplex im Geschmack, muss man probiert haben.
Berti –
Sehr auรergewรถhnlicher Sencha. Nicht nur aufgrund des Anbaugebiets und des Alters der Teepflanzen auch der Geschmack zeichnet sich in kรถstlichen Nuancen auf (im Sine des Wortes) eigenartige Weise aus.