Beschreibung
Tokuya’s „Shizen Noen“ (= „Natural Cycle“) Goko Kabusecha
Tokuya’s „Shizen Noen“ (= „Natural Cycle“) Goko Kabusecha
Dieser Tee kommt zu uns von Tea Crane, einem auf naturnah kultivierte Tees von Kleinerzeugern spezialisierten Hรคndler in Japan. Der Betreiber, Tyas Sรถsen, ist ein gebรผrtiger Belgier, der seit jungen Jahren in Japan lebt. Dort hat er als jรผngster offiziell zertifizierter Teemeister auslรคndischer Herkunft das Teehandwerk von der Pike auf erlernt. Seine Liebe zu den traditionellen japanischen Sencha-Tees regionaler Prรคgung kulminierte schlieรlich in der Grรผndung von The Tea Crane. Die zugrundeliegende Philosophie ist dabei eine Rรผckkehr zum ursprรผnglichen japanischen Sencha. Das heiรt, die Kultivierung erfolgt frei von kรผnstlichen Dรผngemitteln und Pestiziden. Darรผber hinaus bedeutet es eine Verarbeitung, die frei ist von den fรผr die Teeherstellung in Japan heute vielfach charakteristischen industriellen Massenprozessen. So ist auch dieser Kabusecha aus einem naturnahen Teegarten in Kamo, Sรผd-Kyoto, ein japanischer „Halbschatten“-Tee traditioneller Prรคgung.
Die Kamo-Region besteht in der Hauptsache in einem zentral von einem Fluss durchflossenen Tal. Diese Art von Terrain ermรถglicht genรผgend von Natur aus schattige Standorte, wodurch das Blatt weder zu dick noch zu dรผnn wird. Dies wiederum schlรคgt sich in einem besonders raffinierten Geschmack und Aroma nieder. Darรผber hinaus macht der Tau des Flusses das Teeblatt weich, wรคhrend Kamo’s kalte Winter den Tee viel sรผรer machen als in anderen Regionen.
Im Aufguss produzieren die fein gearbeiteten, ungewรถhnlich langen dunkel-tannengrรผnen Nadeln eine charakteristisch hellgrรผn schimmernde Tasse. Diese widerum erfreut geschmacklich mit der fรผr Kabusecha Tees typischen Umami-Sรผรe in Begleitung einer angenehm unaufdringlichen, natรผrlich-grasigen Note.
Was ist โKabusechaโ?
Fรผr Kabusecha erfolgt die Kultivierung der Teestrรคucher wรคhrend der letzten Tage vor der Pflรผckung unter speziellen โKabuse-Netzenโ. Wegen der grobmaschigen Beschaffenheit dieser Netze nennt diese Art der Beschattung auch โHalb-Beschattungโ. Entsprechend bezeichnet man die aus dieser Methode resultierenden Tees als โHalbschatten-Teeโ.
Die der Kabusecha-Methode zugrundeliegende Idee ist die einer mรถglichst originalgetreuen Nachstellung natรผrlicher Verhรคltnisse. Das heiรt eine Teil-Beschattung der Teestrรคucher, wie sie in der Natur durch den Schatten von Bรคumen und grรถรeren Strรคuchern erfolgt. Hierbei filtert das Kabuse-Netz (jap. Kabuse = Netz) etwa 50% der UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht heraus. Dies bewirkt Aktivitรคten in der Teepflanze, die eine verรคnderte Zusammensetzung der Inhaltsstoffe zur Folge haben. Hierzu gehรถren ein erhรถhter Anteil an Aminosรคuren (insbes. L-Theanin) und Alkoloiden (insbes. Koffein, Theophyllin). Auรerdem verringert sich der Gehalt an Bitterstoffen (insbes. Catechine) in der Teepflanze durch die Beschattung. So bewirkt diese zum einen die typische „Umami-„-Sรผรe des resultierenden Kabusecha Tee. Zum anderen gewinnen auch der aromatische Duft und die tiefgrรผne Farbe des Tees durch die Beschattung an Intensivitรคt.
Der Teegarten – „Sugitani Goko“
Der „Sugitani Goko“ Teegarten ist Teil von Tokuya Yamazaki’s „Shizen Noen“ (= „Natural Cycle“) Teefarm. Diese wiederum liegt in Kamo, einer Kleinstadt an der Sรผdflanke der vom Kizu-Fluss durchflossenen Hรผgel Sรผd-Kyotos. Gemรคร der Philosophie seines Betreibers folgt der Anbau hier den Grundprinzipien einer mรถglichst naturnahen Kultivierung. Dabei macht das steile Gefรคlle des Teehangs die Pflรผckung besonders arbeitsintensiv. Andererseits bringt dies den Vorteil optimalen Wasserabflusses unter Vermeidung von Stauwasser mit sich. Da wรคhrend des Wachstums des Busches kein Dรผnger verwendet wurde, findet der Boden direkte Entsprechung im Geschmack des Tees. Entsprechend macht das authentische Aroma einen groรen Teil der besonderen Attraktivitรคt des Kabusecha-Tees aus diesem Teegarten aus.
Sugitani Goko Teegarten – Bild(er) klicken zum Vergrรถรern
Der Betreiber – Tokuya Yamazaki
Zur naturnahen Kultivierung gelangte Tokuya Yamazaki, der Betreiber des Teegartens, auf einem Umweg รผber eigene schmerzhafte Erfahrung… Als Sohn einer lokalen Teebauernfamilie wurden die Regeln des konventionellen Teeanbaus ihm quasi bereits in die Wiege gelegt. Entsprechend folgte er auch diesem Muster, als er als junger mann schlieรlich die Bewirtschaftung eines Teils der elterlichen Teegรคrten รผbernahm. Das heiรt, alles, was seine Teebรผsche brauchten, setzte er dem Boden in Form von Dรผngemittel zu. Und bediente sich entsprechender Mittel, um sich der natรผrlichen Fressfeinde der Teepflanzen aus dem Reich der Insekten zu entledigen. Als ihn schlieรlich eine chronische, im regelmรครigem Jahreszyklus wiederkehrende Krankheit befiel, blieb deren Ursache den befassten รrzten zunรคchst lange ein Rรคtsel. Erst der Austausch mit anderen, รผber รคhnliche Symptome klagende Teebauern brachte schlieรlich die Erkenntnis, dass diese von der Verwendung handelsรผblicher Pestizide im Teegarten stammen mussten.
In der Folgezeit stellte Tokuya alle Teegรคrten der Familie auf naturnahe Kultivierung am. Als Ergebnis hiervon genas er nicht nur von seinem Leiden, sondern entdeckte auch noch weitere Vorzรผge seines neuen Anbauprinzips. So begann der Tee aus seinem Teegarten schon bald, die aus dem Boden und Klima (Terroir) erwachsende Individualitรคt zu entwickeln. Und ebendiese Individualitรคt war es, die seinem Teegarten schon bald zu einem besonders guten Namen und dem hier kultivierten Tee zur Erzielung stattlicher Preise auf dem Markt verhelfen sollte.
Die meisten Erzeuger von pestizidfreiem Tee tun dies, weil sie etwas produzieren mรถchten, das gesรผnder und besser fรผr unsere Umwelt ist. Obwohl diese Aspekte in der Tat von Bedeutung sind, konzentriert sich der Hersteller dieses Kabusecha hauptsรคchlich darauf, die Bรผsche auf stressfreie natรผrliche Weise wachsen zu lassen. „Let tea be tea – let people be people“, ist Tokuya’s hieraus resultierendes Motto… Frei รผbersetzt heisst das so viel wie : „Lasst Tee und Menschen sein, wie sie von Natur aus sind.“
Tokuya Yamazaki
Der Kultivar – Goko
Der Goko Teekultivar ist ein Produkt des Tee-Forschungszentrums von Kyoto. Dabei basiert seine ursprรผngliche Entwicklung auf einer 1953 registrieten nativen Uji-Varietรคt. Der hรคufig fรผr preisgekrรถnte Gyokuro-Sorten Pate stehende Kultivar produziert ein matt-grรผnes, eher glattes und faltenfreies Blatt. Seine Zweige tendieren zu einem gleichmรครigen Wachstum in alle Richtungen. Dabei gleicht der Ertrag dem der Yabukita-Teepflanze, wobei der Goko-Kultivar einige Tage spรคter als diese austreibt.
Die Zubereitung
Tokuya’s „Natural Cycle“ย Kabusecha entfaltet sein charakteristisches Geschmacksprofil am besten bei einer intialen Aufgusstemperatur von 70ยฐC.ย Als Dosierung empfiehlt sich dabei die Verwendung von ca. 2-3g Teeblรคtter per 100ml mรถglichst weichen Wassers. Von bis zu 4 wohlschmeckenden Aufgรผssen sollte der erste bis zu 2 Minuten ziehen. Fรผr einen zweiten Auguss empfiehlt es sich anschlieรend, die Ziehdauer auf 1/2-1 Minute zu verkรผrzen. Ein dritter Aufguss darf dann wieder 1-2 Minuten ziehen, und auch ein vierter Aufguss mit nahc oben offener Ziehdauer ist es in aller Regel durchaus noch wert. Um in den Genuss aller guten Inhaltsstoffe des grรผnen Teeblatts zu gelangen, empfiehlt sich dabei die graduelle Steigerung der Aufgusstemperatur von Aufguss zu Aufguss.
Fรผr Interessierte liefert der folgende Blog-Artikel eine รbersicht รผber die Geschichte und Grundtypen von grรผnem Tee in Japan:
Mรคrz 2015: Grรผner Tee in Japan – Geschichte und moderne Ausprรคgung
Weitere Kabusecha-Tees im Siam Tee Shop gibt es unter dem folgenden Link:
https://siam-tee.de/produkt-kategorie/tee-aus-japan/kabusecha-tee/
















Stephan Schmidt (Verifizierter Kรคufer) –
Ein groรer Tee … nicht nur aufgrund seiner groรen Blรคtter, sondern auch aufgrund seines auรerordentlichen Geschmacks.
Rafael –
Fantastisch, beerig, kรถstlich – teuer aber jeden Cent wert! Top 10. Danke fรผr die Probe, Thomas!
ECL –
Zunรคchst erinnert dieser Tee in seinem Grundgeschmack an den Sencha Mandokoro, welcher ebenfalls von The Tea Crane stammt. Beide Tees sind eher kรผrzer gedรคmpft, was man an der gelblichen und durchsichtigen Aufgussfarbe sehen kann. Statt einem grasig intensiven Tee bekommt man hier etwas sรผรlich Florales, was man sonst von japanischen Grรผntees nicht unbedingt kennt. Dazu kommt im zweiten Aufguss ein minimaler Hauch Umami. Auch wenn ich an diesem Tee objektiv nichts Negatives feststellen kann, so halte ich dennoch subjektiv den Mandokoro fรผr etwas besser, auch oder gerade auch weil dies beiden Tees dennoch recht รคhnlich schmecken. Probiert zu werden ist dieser Tee auf jeden Fall wert, insbesondere fรผr solche Menschen, die keinen grasigen Japantee wollen und auch keine „Umamibombe“.
Jรผrgen (Verifizierter Kรคufer) –
Nachdem ich im vergangenen Jahr irgendwann die Lust an Tea Crane Tee verloren hatte und mich wieder verschiedenen Schwarzen Tees, Sheng und Shou Pu Erhs und natรผrlich Oologs widmete, fiel mir gerade heute am โ Grรผndonnerstagโ dessen Name weder etwas mit der Farbe, noch mit Frรผhling und schon gar nicht mit Tee zu tun hat, beim รffnen des Teeschranks der Tokuyaโs โ Natural Cycleโ Goko Kabusecha quasi in die Hรคnde. Ich hatte ihn schon vor Monaten geรถffnet, an einem Morgen probiert, wohl wissend, dass ich da keine geschmacklichen Hรถhenflรผge erleben wรผrde, und dann lustlos wieder zurรผck in den Schrank gestopft und vergessen.
Heute jedenfalls wollte es der Zufall oder Schicksal, dass ich einen weiteren Anlauf mit diesem Tee wagen sollte. Und das war gut so!
Ohne Erwartungen, dafรผr tiefenentspannt, fรผllte ich die Kyusu mit 4g der dunkelgrรผnen, nadelfรถrmigen Halbschattentee-Spezialitรคt, lieร das aufgekochte Wasser ungefรคhr 10 Minuten abkรผhlen, und bereitete den ersten Aufguss zu.
Was ich in den nรคchsten Minuten an geschmacklichen Hรถhenflรผgen erlebte, kann ich nur als Achterbahnfahrt ohne Nebenwirkungen und im besten Sinne des Wortes beschreiben.
Zuerst explodierte eine unglaubliche Fruchtbombe in meinem Mund, die in einer floralen Sรผรe mรผndete, die sich durch alle nachfolgenden Aufgรผsse zieht. Der Tee trat sehr intensiv, ja geradezu voluminรถs auf, ohne jedoch dabei aufdringlich zu wirken.
Der zweite Aufguss รผberraschte mit einer Edelmarzipannote, die ich normalerweise mit einem Bittermandelaroma beschrieben hรคtte, wรคre da nicht diese wohltuende Sรผรe, die man eben nur im Marzipan findet.
Der dritte Aufguss war geschmacklich vor allem durch ein wiederum รผberraschend klar definierbares Aroma, dass mich an den Duft von Kirschblรผten erinnerte, definiert. Unabhรคngig von den Aufgรผssen konnte ich keine noch so geringe Bitterkeit oder Adstringenz feststellen. Gegenรผber Temperaturschwankungen bei den Aufgรผssen verhรคlt sich der Tee sehr tolerant, egal ob ich ihn mit 60 Grad oder 90 Grad aufgieรe ( bei Folgeaufgรผssen erhรถhe ich die Aufgusstemperatur bei grรผnen Tees standardmรครig).
Kurzum, dieser Tee lรคsst mich sehr zufrieden, entspannt und versรถhnt mit den Grรผntees aus Japan zurรผck, ein Fan werde ich aber wohl in diesem Leben trotzdem nicht mehr. Dafรผr liebe ich die anderen Verarbeitungsformen einfach zu sehr.
Wolfgang –
Was auffรคllt ist der beerige Geruch der Blรคtter. So intensiv habe ich es bisher bei keinem Grรผntee gerochen.
Der Tee selbst ist sehr weich, sรผรlich, mild umd insgesamt cremig.
Der zweite und dritte Aufguss sind auch am Gaumen beeriger und behalten die Cremigkeit.
Den vierten habe ich lรคnger ziehen lassen, aber einige Minuten vergessen. Trotzdem ist keine Spur von Bitterkeit zu schmecken.
Jan (Verifizierter Kรคufer) –
Ein Kabusecha der etwas anderen Art. Weniger Umami, dafรผr spitzerer/floraler. Wer Kabusechas sucht welch ein auรergewรถhnliches Geschmacksprofil besitzen wird hier glรผcklich werden.